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Theaterbesuch Klasse 11/12

Rezension zum Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“


„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert und handelt, statt zu reden noch und noch. So was hätt' einmal fast die Welt regiert! Die Völker wurden seiner Herr, jedoch dass keiner uns zu früh da triumphiert – Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ Dies sind die abschließenden Worte aus Bertolt Brechts epischen Theater „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, welches er in nur wenigen Wochen im März/April 1941 in Helsinki schrieb. Uraufgeführt wurde es jedoch erst nach seinem Tod am 10.11.1958 im Württembergischen Staatstheater Stuttgart unter der Regie von Peter Palitzsch, da Brecht „mangelnde politische Reife des deutschen Publikums“ fürchtete. In der damaligen DDR wurde das Theaterstück erst 1959 mit dem Berliner Ensemble uraufgeführt. Brechts Ziel war die Bekämpfung der Unkenntnis über den Nationalsozialismus. Er wollte vergangene Vorgänge dieser Zeit in die Erinnerungen der Menschen rufen und zeigen, dass der Faschismus keinen Einzelfall darstellt.
Das Stück handelt vom Aufstieg des Gangsterchefs Arturo Ui, welcher für Adolf Hitler steht. Einzelne Stationen seines Aufstiegs werden aufgezeigt, was eine Vielzahl von Figuren, Zeitsprüngen und Ortswechseln zur Folge hat. Ui wird Beherrscher des Gemüsehandels der Großstadt Chicago, da die Wirtschaftskrise den Gemüsehandel ins Wanken bringt und Ui den Händlern seinen Schutz, natürlich gegen Geld, anbietet. Auf seinem Weg an die Macht ist er skrupellos und scheut keine Opfer.
„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ ist aufgrund des von Brecht vorausgesetzten detaillierten Wissens um Personen und Ereignisse kein leichtes Theaterstück, da man ohne dieses die konkreten Zusammenhänge des Stücks nur schwer versteht. Doch das lässt Dagmar Schlingmann in ihrer Inszenierung im Staatstheater Braunschweig nicht zum Problem werden. Die Handlung ist auch für Leute, die das Buch vorher nicht gelesen haben, sehr gut verständlich und nachvollziehbar. Es ist zweifellos erkennbar, dass beispielsweise die Gangsterbande die NS-Großfunktionäre darstellen soll. Die Handlung wird nie zu albern, aber zum Teil sehr witzig und humorvoll dargestellt, sodass auch Jugendliche durchaus gefallen an dem Stück finden können. Besonders sollte die schauspielerische Leistung der Darsteller erwähnt werden. Die Handlungen und Empfindungen der einzelnen Charaktere sind glaubwürdig, nachvollziehbar und in sich schlüssig dargestellt. Vor allem die Figur des Ui ist perfekt gespielt und der typische Hang zum Verrückten durch trotziges kindisches „Ichichich“ rufen, rumlümmeln auf der Bühne oder den abrupten Wechseln zwischen ernst und albern sein, sehr gut ausgedrückt. Außerdem lässt das Theater viel Interpretationsspielraum. So tritt beispielsweise ständig eine Frau auf die Bühne, die nebenbei tanzt oder stupide Worte und Teilsätze der anderen Personen wiederholt und singt, was auf Dauer allerdings e

her anstrengend ist. Ihre Rolle oder Funktion ist aber bis zum Schluss nicht ganz deutlich geworden. Das Bühnenbild ändert sich ständig, da nur einzelne Teile des Aufstiegs gezeigt werden, wodurch ein Tempo erzeugt wird und eine Konfrontation der Ereignisse beim Zuschauer bewirkt. Trotzdem ist immer leicht erkennbar, an welchen Orten sich die Szene abspielt. So sitzen beispielsweise die Gemüsehändler auf ihren Gemüsekisten und die Gangster auf einer Treppe. Sehr gut umgesetzt ist die Darstellung der Angst als ein Eimer mit Mehl mit der Aufschrift „Angst“. Die Schauspieler bedienen sich im Verlauf des Theaters regelmäßig an diesem Eimer und streuen sich Mehl ins Gesicht. Eine Besonderheit der Aufführung ist der Ausfall eines Darstellers aus gesundheitlichen Gründen. Dieses Problem ist kurzfristig gut gelöst, in dem der Text vom Bühnenrand eingespielt wird. Die Inszenierung Schlingmanns endet mit dem Satz: „Jetzt könnt ihr wählen.“ Somit ist das Ende sehr offen und nicht wie der eigentliche Schluss Brechts. Durch diesen Satz wird ein bleibender Eindruck beim Publikum geschaffen und eine Reflexion und Stellungnahme der Zuschauer, wie man Hitler hätte aufhalten können, gefordert.
Abschließend lässt sich sagen, dass das Theaterstück in jedem Fall empfehlenswert ist. Verschiedene Möglichkeiten Hitler aufzuhalten kommen gut zur Geltung, da im Verlauf des Theaters mehrere Entscheidungen hätten getroffen werden können um den Aufstieg Uis zu verhindern. Die Gesamthandlung ist glaubwürdig und schlüssig. Außerdem wird klargestellt, dass der Faschismus kein Einzelfall ist, sondern immer noch aktuell. Das Theater ist auch für Jugendliche geeignet, da die Sprache passend zum Inhalt relativ einfach gehalten ist und somit auch junge Erwachsene dem Stück gut folgen können. „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ ist folglich ein sehr gelungenes Theaterstück mit wichtigem historischem Inhalt.

Anjeli Nadda, 11d