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Die Klasse 11b und der Zauberer von Oz

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Am Abend des 6. April 2017 kam in der Aula des Wernigeröder Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums unter der Spielleitung von Annekathrin Heubner eine Adaption von Lyman Frank Baums beliebtem Kindermärchen unter dem Titel „Oz reloaded“ zur Aufführung.
Nach Höhepunkten vergangener Jahre wie Hans Falladas „Geschichte vom goldenen Taler“ oder Molières Komödien „Der eingebildete Kranke“ sowie „Der Geizige“ dürfte sich herumgesprochen haben, dass Heubners Theaterarbeit an der Schule ein Niveau erreicht hat, welches in der Region seinesgleichen sucht, vielfach sogar das übertrifft, was auf „professionellen“ Bühnen so heruntergespielt wird. Nun konnte die Klasse 11b ihre Leistungen unter Beweis stellen. Man durfte also gespannt sein.
Pfosten und Bretter waren aufgeschlagen und jedermann erwartete ein Fest. Die Einnahmen dieses Abends kamen dem Kinderhospiz Magdeburg zugute. Dass die Wernigeröder Bevölkerung nach intelligenter Unterhaltung dürstet, belegten die Zuschauerzahlen der bis auf den letzten Platz besetzten Aula – wieder einmal – deutlich.

Die Geschichte ist schnell erzählt:
Als ein Wirbelsturm die Region heimsucht, gelingt es dem jungen Mädchen Dorothy (Laura Fischer) und ihrem Hund Toto (Laura Ullrich) nicht rechtzeitig, sich in Sicherheit zu bringen. Sie werden mitsamt Farmhaus fortgerissen und stranden schließlich in einem fernen Land, nachdem der Sturm sich gelegt hat.
Hier erweist sich bereits Baums Neigung zu schwarzem Humor. Zufällig begräbt das Farmhaus bei seiner gekonnten Punktlandung die Hexe des Ostens (Anna-Lena Tanzen) unter sich. Allein das auffallend rote Schuhwerk zeugt noch von der so Dahingeschiedenen. Des einen Freud ist des anderen Leid… Auftritt der Guten Fee aus dem Rosa Land (Juliana Runschke), die sich von dieser Wendung des Schicksals äußerst entzückt zeigt und die arglosen Neuankömmlinge zu deren Glanzleistung beglückwünscht. So weit, so gut. Leider sieht sich die Gute Fee außerstande, Dorothy und Toto zurück in heimatliche Gefilde zu schicken, dies könne nur der Zauberer von Oz.
Nicht lange gefackelt lassen sich die beiden eine Wegbeschreibung geben und ziehen los. Mit Trauer um die (Tote) Hexe des Ostens hält man sich nicht lange auf. Ihr Schuhwerk erfährt eine Umverteilung, das war’s. Der Tod gehört nun einmal zum Berufsrisiko von Despoten.
Auf ihrem Weg zeigt die Wandergruppe „Gelber Pfad“ Sozialkompetenz, man schließt neue Bekanntschaften. Zuerst der Scheuch (Philipp Lange), den man vor Nachstellungen seiner Rabenklientel (Amy Nagel, Cedric Heydecke, Anton Mittag) erlöst. Er erweist sich als grundguter Kerl, der nicht viel von der Welt weiß und sich statt Stroh im Kopf mehr Verstand wünscht. Dem kann geholfen werden. Weiter der Zinnmann (Jona Kuchinke), der nach kleiner Starthilfe wieder „läuft wie geschmiert“. Ach, was gäbe er darum, endlich ein Herz zu haben. Zu guter Letzt der Löwe (Justin Preißler), der mit seinen Drohgebärden vielleicht Dorothy und Toto zu beeindrucken vermag, dessen Performance bei Scheuch (mangels Verstand) und Zinnmann (mangels Herz) allerdings versagt. Es stellt sich heraus, dass der Löwe eher schüchtern veranlagt ist und ihm etwas mehr Mut gut zu Gesicht stehen würde. Wer kann da helfen? Na klar, der Zauberer!
Gemeinsam geht es gen Oz. Isabell Hedke erweist sich als Wegweiserin mit dem charmantesten Lächeln. Auch die sphärische Gesangstruppe (Pia Birkefeld, Luisa Pfützner, Gina Stika, Vera Westermann, Stephan Wohlgemuth als Mann am Klavier) sorgen dafür, dass die Hilfesuchenden auf Kurs bleiben. Bis man in eine Gegend mit eher holländisch zu nennenden Verhältnissen gerät. Das macht selbst die charmanteste Wegweiserin nicht lange mit.
Irgendwie gelangt man doch zum Zauberer. Wie, das überlässt Heubners Spielleitung bewusst der Phantasie des Zuschauers. Und sieht dieser Zauberer (Olaf Dannewitz) nicht Steve Jobs verdammt ähnlich? Möglicherweise sind es die halluzinogenen Nebenwirkungen. Man merkt es seinem Wächter (Peter Steingaß) an, Herr Zauberer ist ein schwieriger Arbeitgeber, sozusagen „iOz“. Nach einiger Zeit erklärt sich der Zauberer bereit, seinen Bittstellern ihre Wünsche zu erfüllen, NACHDEM sie eine Kleinigkeit für ihn erledigt haben.
Was genau, wird hier nicht verraten. Dem Vernehmen nach soll „Oz reloaded“ noch einmal aufgeführt werden. Die Empfehlung daher: Man sehe und staune.

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Was bleibt? An erster Stelle die Feststellung, dass Mitbestimmungstheater es fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung noch immer vermag, sein Publikum in Bann zu ziehen. Annekathrin Heubner überließ es behutsam ihrer Klasse, diese komplexe Geschichte mit ihren Drehungen, Wendungen und Fallstricken auf individuelle Weise mit eigenen Worten wiederzugeben; fernab von jedem steifen Skript. Heraus kam eine berührende Darbietung mit einem hohen Maß an Authentizität.
Die Liebe zum Gesamtergebnis war der Klasse neben den schauspielerischen Leistungen an jeder Stelle anzumerken. Um das Bühnenbild in Anlehnung an die Originalillustrationen von Wallace Denslow kümmerte sich die Klasse nahezu in Eigenregie.
Stellenweise wurde mit Mitteln der Collage gearbeitet. Ausschnitte aus der bekannten Verfilmung mit Judy Garland in der Hauptrolle trieben die Handlung an sensiblen Stellen effektiv voran und fügten sich mit der Bühnenaktion zu einem organischen Ganzen zusammen. SO wird Theater gemacht!
Interessanter Ansatz von Anthropogenese: Toto ließ man von Beginn an „Mensch sein“. So sorgten die beiden Lauras von Beginn an für ziemliche Frauenpower.
Besonders Erwähnung finden muss der von Elena Kemann vorgetragene selbstgedichtete Prolog im Slam-Poetry-Stil, der dafür sorgte, dass bei einigen Zuschauern vor lauter Rührung kein Auge trocken blieb.
Dass das ganze Unternehmen „Oz reloaded“ jederzeit ins rechte Licht gesetzt wurde, ist dem engagierten Technikteam um Ole Christiansen und Florian Hoppstock zu verdanken. Für die moderne Choreographie der Bühnentänze zeichnete die Ballettlehrerin Anna Kraus verantwortlich, die man auch schon in Molières „Der Geizige“ erleben konnte.

Von Arvid Heubner (gekürzte Version)