Home

Schulkinowoche - Unser letzter Sommer

Im Rahmen der Schulkinowoche hatte unsere Klassenstufe die Gelegenheit den Film ,,Unser letzter Sommer“ zu sehen. Das Drama ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches und wurde in Deutschland und Polen von Michal Rogalski gedreht. Bemerkenswert ist, dass sowohl der Film als auch das Buch auf Erzählungen von Rogalskis Großmutter basieren.

Inhaltlich verlaufen zwei, für mich unterschiedlich stark interessante, Handlungsstränge parallel zueinander und berühren sich in einzelnen Punkten. Im ersten Strang handelt der 1943 nach Ostpolen strafversetzte deutsche Sicherheitspolizist Guido. Seine Einheit erhält in diesen Tagen einen neuen Kommandeur, wodurch sich sein Leben stark verändert. Statt eines normalerweise ruhigen Tagesablaufes, erwartet ihn nun die Konfrontation mit zahlreichen Kriegsverbrechen, welche nahezu ungeschönt dargestellt werden. Für große Überraschungsmomente sorgte hier vor allem die Figur des Kommandeurs, dargestellt durch Steffen Scheumann, welcher in seinem Verhalten stets zwischen freundlich-kollegial und zornig-strafend wechselte. So stellte sich dieser Handlungsstrang für mich eindeutig als der interessantere heraus.

Der zweite Teil dagegen begann eher langweilig. Hier handelt der Pole Romek, welcher als Heizer im Lokschuppen arbeitet. Zu Beginn wird er scheinbar nur mit privaten Problemen, vor allem seinem cholerischen Stiefvater, konfrontiert. Erst als er im weiteren Verlauf auf Überlebende der durch Polen verlaufenden Deportationen zu den Konzentrationslagern und russische Partisanen trifft, beginnt auch dieser Handlungsstrang an Fahrt aufzunehmen.

Insgesamt konnten jedoch auch beide Handlungen zusammen keine wirkliche Spannung aufbauen, erschienen dennoch gut durchdacht. Leider ließ die Detailverliebtheit des Regisseurs zahlreiche Szenen viel zu langatmig wirken. Außerdem konnte sich bei mir durch die abrupten Schnitte und Szenenwechsel nicht das Gefühl einer zusammenhängenden Geschichte aufbauen. Weiterhin fielen Handlungslücken und unlogische Begebenheiten auf. So entkommt z.B. Romek aus allen Schießereien und bedrohlichen Situationen, während seine Bekannten verschleppt oder gar erschossen werden.

Von der technischen Sicht her gab es hingegen nichts zu bemängeln. Durch Kameraeinstellungen und passende Musik wurden die Szenen gut dargestellt und durch Naturaufnahmen abgerundet.

Insgesamt erwies sich der Film für mich als sehenswert, konnte jedoch für Zuschauer, welche bereits über entsprechendes Geschichtswissen verfügen oder bereits ähnliche Filme gesehen haben, keine neuen Erkenntnisse überbringen. Die schrecklichen Kriegsverbrechen hingegen und die Gleichgültigkeit, mit der die polnischen Lokschuppenmitarbeiter für die Nationalsozialisten die Deportationen in die Vernichtungslager durchführten, konnten gut und in ihrer Art und Weise für den Zuschauer abschreckend dargestellt werden.

Marius Rothert, 11B

Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

http://www.unserletztersommer.de/